Mittwoch, 24. September 2008

* XO

Ich ging das Treppenhaus hoch bis in den zweiten Stock. Sie wartete in der Wohnungstür und musterte die Fingernägel ihrer rechten Hand. Erst kurz bevor ich vor ihr stand schaute sie auf und unsere Blicke trafen sich. Noch wusste wohl keiner von uns beiden, wie wir die Nacht beenden würden.
Jedenfalls setzten wir uns in die Küche. Ich fragte sie nach einem Taschentuch. Herbstliches Winterwetter treibt immer ein bisschen Schnotter in die Nase. ... . . . . .. -Erledigt! Ich mache mein erstes Bier auf. Eigentlich war es schon mein drittes. Denn die ersten Beiden hatte ich bereits zu Hause getrunken. Vielleicht um schonmal ein bisschen Pegel zu bekommen, in "weiser" Voraussicht auf das was mich später noch erwarten würde oder was ich insgeheim sowieso vor hatte.. ... . . . .oder ich mir wünschte! Hemmungen und falsche Scham sind sowieso überflüssig. Vielleicht hat das was mit historisch anthropologischer Entwicklung von uns Würmern zu tun. Vielleicht aber auch mit gesellschaftlichen Zwängen. Vielleicht weißt du aber auch gar nicht, wovon ich gerade schreibe. Egal! Das dritte Bier war offen. Carpinus kam dazu, wir prosteten uns zu, die Flaschen klimperten und wir hatten unseren zweiten bewussten Blickkontakt. Yeah! Ein Thema wechselte das Nächste. Für einen kurzen Moment kam Enttäuschung in mir hoch. Das war da, als Sie meinte, dass sie gleich abgeholt werden würde um auf eine andere Party zu fahren als zu der, die ich mit Carpinus und Tilia und eigentlich ihr besuchen wollte. Doch das kleine Tief löste sich nach ihrem zweiten Satz schon gleich wieder in ein herrliches Wohlbefinden auf. Als sie sagte, dort wäre sie nur für ein Stündchen und kommt danach auch noch auf unsere Party. Blieb nur die 50/50 Frage nach dem Wer, der oder die sie abholen wollte. Wie sich herausstellte entschied sich das Los gegen mich. Er war groß, blond, cool gekleidet und leicht bekifft, was sein Erscheinungsbild wiederum leicht relativierte. Schwamm drüber!
Du bist das was du verachtest, hab ich mal in dem Text einer alten Hardcoreband gelesen. Eigentlich war ich ja nicht wirklich in der Position mich daran aufzuziehen, daß der Typ bekifft war und wahrscheinlich auch noch ein kleiner Verticker ist. Er hatte Weed für einen 20ger oder so dabei, welches er für Freunde mitgebracht hatte. Schließlich war ich um nichts besser. Wahrscheinlich noch eher schlimmer. Denn ich hatte den kompletten November die Uni geschwänzt und gleich nach dem Frühstück eine Flunte geraucht um den Rest des Tages vor der Glotze und dem Rechner zu verbringen. Vielleicht keine anerkennende Leistung, aber eine meisterliche! Das schaffen bestimmt nicht viele. Aber auch hier Schwamm drüber.
Kiffen wird überbewertet. Die die rauchen schenken ihm zu viel Bedeutung und die die es verbieten wollen auch. Aber das ist ein anderes Thema.
Dann eben das vierte Bier her und versuchen das Angenehmste aus dem Abend zu ziehen. Tschüss hab ich gesagt, als die Beiden aufbrachen. Ich lehnte mich zurück, zog ein Bein an, parkte es an der Tischkante, nahm einen großen Schluck und ließ den Abend auf mich zu kommen. Sie war weg und ich auf dem Weg besoffen zu werden. Na wunderbar. Nach etwas anderem war mir in dem Moment auch nicht zu Mute. Der Besuch für den das Weed geliefert wurde kam bald und testete die neue Ware. Ich brauchte nichteinmal ablehnen als das Zeug angetestet wurde, denn mir wurde die Tüte ohnehin nicht angeboten. Aber darüber war ich eigentlich auch dankbar.
Irgendwann gings los. Wir fuhren auf die Party, welche bis dahin mäßig besucht war. Ich bediente mich beim Bier und machte erstmal eine kleine Besichtigungstour. Die Party entwickelte sich noch ganz anständig. Über Blockflöte spielen, Leute aus dem Fenster anpöbeln beziehungsweise sie doch hoch zu bitten bis saudoofe Sachen auf Klebeband zu schreiben und das irgendwem heimlich auf den Rücken zu kleben. Kindisch für einen 29 jährigen, aber witzig. Als das Bier nicht mehr reichte, um den Pegel des besoffen sein auf dem Pegel der Party zu halten, griff ich zur Schöpfkelle, die in diesem Eimer auf Tauchfahrt war. Dieser war vielleicht noch zu 1/3 mit echt eigenartiger Bowle gefüllt. Aber Ansprüche hatte ich zu der Zeit sowieso nicht mehr. Um ehrlich zu sein trinke ich auch weniger wegen des Geschmacks, als viel mehr um die Wirkung.
Natürlich war sie auch auf der Party, aber ohne diesen Typen. Zumindest kann ich mich nicht mehr daran erinnern ihn da gesehen zu haben. Sie tanzte, wir sprachen ab und zu und wir bedienten uns auch bei der Bowle.

Irgendwann stand ich mit einem der dortigen Bewohner in der Küche. Wir packten uns jeweils ein bisschen Essen zusammen. Sie kam rein flüsterte ihm etwas zu, woraufhin er die Küche verließ. Sie schloss die Tür, setzte mich auf einen Stuhl und sie sich auf meine Beine und küsste mich. Ich war komplett überwältigt. Nach ein paar Sekunden Verwunderung realisierte ich was gerade passierte und begann ihre Aktion völlig zu genießen und zu erwidern.

Stunden später trafen wir uns unten auf der Straße. Ob das zufällig passierte oder geplant war, kann ich gar nicht mit Bestimmtheit sagen. Ich schloss mein Fahrrad auf. Sie hatte sich mit dem Auto bringen lassen. Also gingen wir Heimwärts. Was in diesem Falle zu ihr bedeutete. Doch schon vielleicht 200m weiter hielt sie ein Taxi an. Ich stellte mein Rad an die Seite und setzte mich zu ihr auf die Rückbank.

Dienstag, 23. September 2008

Montag, 22. September 2008

* Hennekens Skydive

Unglaublich!! Müsste ich dieses Erlebnis mit einer Note zwischen 1-10 in der Kategorie Empfehlenswert beurteilen, würde ich eine 11 vergeben .. . .

Um 12.30 sollten wir da sein, wegen einer kleinen Einführung in die Materie und Organisatorischen. Doch scheinbar schienen alle Anderen, die das seltene Glück hatten zum ersten mal in Ihrem Leben in 4000 Metern Höhe aus einem Flugzeug zu springen, angst zu haben den Flieger zu verpassen. Ich hatte mich demnach also als letzter anmelden dürfen, was uns eine Wartezeit von fast dreieinhalb Stunden bescherte. Allerdings war das leichte Ärgernis darüber nach dem Sprung wie weggeblasen. Außerdem war es allerfeinstes Wetter und bestens dazu geeignet sowieso draußen abzuhängen.

Irgendwann ging dann jedenfalls mein Name durch die Lautsprecherboxen und in freudiger Erwartung bin ich zu Jeroen dem Kameramann, der mich begleiten sollte. In Niederländisch erklärte er mir erstmal was gleich alles passieren würde und nachdem ich ihm erklärt hatte, dass ich zwar Hendrik heiße aber deswegen noch lange nicht Dutch sondern Deutsch bin verständigten wir uns in letzterem weiter.

Dirk mein Tandemmaster, der nach ca. 3700 Sprüngen wahrscheinlich ein Buch während des Falls hätte lesen können, händigte mir dann meinen Anzug aus und verzurrte schonmal das Geschirr. Für den Weg zum Flugzeug schnappte er sich noch fix ein Brötchen und ab die Post . . . . . . .. .. .. . . .. .... . .. die Cessna stand noch still und der Pilot, als ob er nicht unbedingt das größte Vertrauen in entweder seiner Flugkunst oder seine Maschine setzte, zog auch erstmal einen Fallschirm an.
Dann ging es endlich los!
Alles einsteigen - Instrumente überprüfen - Steuerung testen - Startknopf drücken - FEHLZÜNDUNG!!?!
Angesichts der Tatsache, dass ich mit einem Fallschirm verbunden war konnte ich das aber mit Humor nehmen.

Dann ging es wirklich los. Erneute Zündung und ab zur Startbahn, wobei sich Jeroen irgendwie in den vorderen Teil der Cessna lehnen musste da wir ansonsten hinten zu schwer und mit dem Arsch des Flieger über den Asphalt gekratzt wären. Endlich in der Luft schraubten wir uns 20 Minuten lang bis auf 4km Höhe. Der Pilot gab grünes Licht und die Türplane wurde nach oben gerollt. Jeroen stieg schonmal aus und stellte sich auf ein Trittbrett aussen am Flugzeug. Dann krochen Dirk und ich zur Tür. Wie vorher besprochen, an den Rand setzen, die Beine unter das Flugzeug klemmen und den Kopf nach hinten legen. Zwei Sekunden später verdoppelte sich mein Pulsschlag. Bei knapp 200km/h Fallgeschwindigkeit peitscht der Wind wie ein D-Zug an deinen Ohren vorbei. Es ist laut, wahnsinnig hoch und total krank. Dein Bauchnabel bildet die kürzeste Entfernung bis zum Boden.
Ein Gefühl als würden deine gesamten Gedärme bereits 10 Meter unter dir voraushängen. Nach 10 Sekunden hab ich dann erstmal realisiert was gerade passiert und ich bin vielleicht im Kopf "etwas" ruhiger geworden, aber auch nur ein klitzekleines bisschen. Auf gleicher Höhe ca. 20-30 Meter vor uns kam Jeroen bis auf einen halben Meter angeflogen. Er machte ohne es zu wollen ein witziges Gesicht und hat wahrscheinlich das Gleiche von meinem gedacht, bedingt durch das Adrenalin aber auch aufgrund des Windes, der mehr Reibung bietet als ich je gedacht hätte. Wir nahmen wieder etwas Abstand und drehten uns 4-5mal im Kreis und steuerten dann wieder auf Jeroen zu.
Mein Master und Jeroen machten noch ein paar faxen und nach ca. 50 Sekunden zog Dirk die Leine. Das gab einen Ruck und ich war verwundert, wie schnell wir langsam wurden und Jeroen wie Scheiße in die Unendlichkeit fiel. Zack. .. . . .weg war er! Dann ist es ruhig geworden. Richtig still. Der Wind hat aufgehört zu rauschen, ich konnte die Brille abnehmen und den Gleitflug zur Erde geniessen. Wir machten wieder ein paar Drehungen mal links mal rechts rum. Irgendwann gab Dirk mir die Steuerlaschen und ich durfte mal übernehmen. 2 Minuten später setzten wir zu Landung an. Beine nach vorne strecken und . . . . ... ... Kontakt.
Ich war total aus dem Häuschen. Dauergrinsen und zitternde Hände!!!!!!!!
Dirk hat sich sofort den nächsten Schirm geschnappt und ist wieder nach oben. Ich brauchte noch den Rest des Tages um mich wieder zu beruhigen.



Dienstag, 16. September 2008

* The Bollock Brothers (13.09.2008) -Gleiss22


Die Vorband haben wir sausen lassen und sind pünktlich zum ersten Song ins Gleiss. Schnell bis nach ziemlich vorne gedrängelt, was dann doch einigen Besuchern nicht so sehr gefiel, wie es Ihnen wahrscheinlich 1979 scheissegal gewesen wäre.

Jock McDonald bürgerlich Patrick O'Donnell (Jahrgang ´56) in feinstem Nadelstreifenanzug. Ich dachte zuerst: Ha! . . . .. wie der Sohn von Rod Stewart - am Ende des Konzerts: Ne! eher wie der Bruder von Paul McCartney. Jedenfalls im echten Leben keins von Beidem, sondern Konzertorganisator von Johnny Rottens erster Band PIL und unter die Arme greifer für Rottens jüngeren Bruder Jimmy Lydon.

In den 1986/87 Jahren gab es ein treffen mit Serge Gainsbourg -französische Chanson Größe, jener hatte 1967 den Hit "Harley Davidson" für Brigitte Bardot geschrieben. Bei dem Treffen erklärte sich Gainsbourg bereit seinen Song abzugeben. Die Bollock Brothers machten "Harley David" daraus und landeten damit 1987 im Fernsehen beim Formel Eins.
In neuer Besetzung also mal wieder auf Tour . . . .. .. . .



Mr. McDonald kündigte auch seinen Gitarre spielenden Cousin aus Glasgow an. "Hey, das ist . . . .. . . .. . . .! Mein Cousin aus Glasgow! . . . .. . ist erst seit kurzem wieder aus dem Knast raus. Er war im Puff und konnte nicht bezahlen! Also ist er an der Regenrinne runtergeklettert und unten habe die Cops schon gewartet. Die haben ihn dann mit zur Wache genommen. Als sie dann rausfanden, dass er Glasgow-Fan ist (gemeint war der Fussball Verein) haben sie ihn da behalten." . . . -das Publikum war begeistert!

Der Cousin, Jock McDonald und der Bassmann